In Cambridge lässt sich Geschichte fast mit Händen greifen. Seit 800 Jahren ist die Stadt Universitätsstadt; fast 95 Prozent der Gebäude gehören der Universität und stolze 126 Nobelpreisträger haben hier studiert (Stand 2026). Bahnbrechende Entdeckungen wie die Struktur der DNA und das Penicillin haben ihren Ursprung in diesen Mauern. Die Universität setzt sich aus 31 Colleges zusammen, die jeweils über Studentenunterkünfte, eine Bibliothek, eine Kapelle und einen Speisesaal verfügen.
Den Prunk der Colleges erahnt man als Besucher der Stadt bereits, wenn man von der John Street aus, die sich nach und nach in die Trinity Street, die King’s Parade und schließlich die Trumpington Street verwandelt, entlang spaziert und dabei an einigen der bedeutendsten und wohlhabendsten Colleges vorbeizieht. Leider sind nicht alle öffentlich zugänglich – der Lehrbetrieb soll schließlich nicht gestört werden, und besonders Ende Mai, zur Prüfungszeit, ist ein Blick hinter die Fassaden nur schwer möglich.
Für uns bot sich einzig beim King’s College die Gelegenheit zur Besichtigung, wobei auch dort nur die Kapelle und ein Teil des Innenhofs bis zum River Cam zugänglich waren. Das College, das eher an einen Palast als an eine Hochschule erinnert, wurde 1441 von Heinrich VI. für 70 Studierende gegründet – heute sind es knapp 800. Das Prunkstück ist die Kirche, die man als „Kapelle” zu bezeichnen sich fast scheut.

Wir waren schlicht überwältigt: von der wunderschönen Fächergewölbedecke, von den Buntglasfenstern aus dem 16. Jahrhundert, deren Einbau allein 30 Jahre in Anspruch nahm, und von den Wappen und Symbolen des Hauses Tudor, die die Wände schmücken. Das Fallgitter–Symbol der Familie Beaufort, deren bekannteste Vertreterin Lady Margaret Beaufort, die Mutter Heinrichs VII., war – ist ebenso zu entdecken wie die Tudor-Rose, die die rote Rose des Hauses Lancaster mit der weißen des Hauses York vereint. Ein roter Drache und ein weißer Windhund bewachen das Schild des Herrschers.


Das Chorgestühl ist ein Geschenk Heinrichs VIII.: Im feinen Schnitzwerk finden sich seine Initialen sowie die seiner zweiten Gemahlin Anne Boleyn, die er 1536 hinrichten ließ. Auf dem Lesepult steht eine kleine Statue Heinrichs VI., im Altarraum hängt Rubens‘ „Anbetung der Könige”, das ursprünglich 1634 für ein Kloster in Belgien gemacht wurde und seit 1961 im Besitz des Colleges ist.




Wir waren natürlich nicht allein bei der Besichtigung des King’s College und konnten einmal mehr hautnah miterleben, wie dreist manche Touristen sein können. Eine Frau filmte sich und ihre Begleiterin beim Umherstolzieren auf den Rasenflächen, obwohl großformatige Schilder in mehreren Sprachen unmissverständlich darauf hinwiesen, dass dies nicht gestattet ist. Manche Verbote scheinen in allen Sprachen gleich gut übersehen zu werden.

Die Route der Stocherkähne führt auch an der Rückseite des King’s College vorbei, sodass auch auf dem Wasser reger Betrieb herrschte.
Nach all diesen prächtigen Eindrücken wartete gegenüber im Café The Copper Kettle ein kleines Frühstück auf uns: Jochen speiste klassisch Scone mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade, Alex entschied sich für eine Waffel mit Puderzucker und Obst.
Wer die King’s Parade weiter nach Norden schlendert, stößt unweigerlich auf das nächste College, das Trinity College mit seinem prächtigen Torhaus, über dem eine Statue Heinrichs VIII. thront – des Stifters des Colleges. In der linken Hand hält er den Reichsapfel, in der rechten jedoch kein Zepter, wie man es erwarten würde, sondern ein hölzernes Stuhlbein. Das ist dem Humor der Trinity-Studenten aus dem frühen 20. Jahrhundert zu verdanken.


Mehr als einen Blick in den Innenhof gab es hier jedoch nicht zu erhaschen, auch hier ist gerade Prüfungszeit und daher für Touristen geschlossen.
Das nächste und letzte College auf unserer Route war St. John’s, von Lady Margaret Beaufort gegründet und ebenfalls mit einem imposanten Torhaus ausgestattet.

Bei weiterhin drückenden 33 Grad im Schatten spazierten wir ein Stück entlang des Flusses bis zum ehemaligen Mühlenteich, an dem sich zwei Pub-Restaurants niedergelassen haben. Mit Blick auf Fluss und Teich saßen wir im Biergarten des Granta entspannt im Schatten, beobachteten die startenden Stocherkähne mit ihren Gästen, bestellten und bezahlten unsere Getränke bequem per Smartphone und ließen es uns gut gehen.

Da unser Hotel auch ein schönes Restaurant besitzt und dessen Speisekarte uns angesprochen hatte, reservierten wir für 19 Uhr einen Tisch im Innenhof. Das Gebäude wurde einst vom Geschäftsmann Thomas Hobson errichtet und beherbergte im 20. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre Polizei und Feuerwache der Stadt.
Im überdachten Innenhof wurden wir an unseren Tisch geleitet – leider hielt das Essen nicht ganz, was die Atmosphäre versprach. Ein Reinfall war es nicht, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte einfach nicht. Einen schönen Abend hatten wir trotzdem – und bis zu unserem Zimmer, unserem Bett und einem wohlverdienten, entspannten Schlaf waren es nur noch wenige Schritte.












