Auf halber Strecke zwischen Cambridge und unserem nächsten Übernachtungsort Lincoln liegt Stamford. Vor den Toren der Stadt, inmitten saftiger Weiden, befindet sich die größte Attraktion der Gegend, der Landsitz Burghley House, dessen imposante Ausmaße und zahlreiche Türmchen und Laternen schon bei der Anfahrt beeindrucken.
William Cecil, der den Grundstein für einen der prächtigsten Paläste seiner Zeit legte, war der treueste Diener Elisabeths I. – auch in den Jahren, als diese Ende des 16. Jahrhunderts ihre Rivalin Maria Stuart aus dem Weg räumen ließ. Burghley House ist heute im Besitz einer durch die Familie Cecil gegründeten Stiftung zur Erhaltung der Anlage. Das Schloss diente schon häufig als Kulisse für Filmproduktionen wie z.B. in Stolz und Vorurteil, einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jane Austen aus dem Jahr 2005.

Bevor wir uns dem prunkvollen Inneren des Palastes zuwandten, spazierten wir durch einen schönen Landschaftspark mit prächtigen alten Baumbeständen zur etwas abseits liegenden Lion Bridge, von wo aus sich eine herrliche Blickachse über den künstlich angelegten Teich hinüber zum Anwesen öffnet.
Im Haus selbst begleitete uns ein Audioguide durch die 18 prunkvollen Repräsentationsräume, die John Cecil, der 5. Earl of Exeter, im 17. Jahrhundert mit kostbaren Kunstgegenständen ausstatten und vom italienischen Maler Antonio Verrio aufwendig ausmalen ließ. Los ging es in der ehemaligen Küche, deren Ausmaße einen guten Eindruck davon vermittelten, wie groß der Haushalt gewesen sein muss, für den hier gekocht wurde.

Von dort führte der Weg weiter in die kleine Kapelle, in der prunkvolle Leuchter das dunkle, niedrige Gewölbe erhellten.
Während wir durch den Westflügel schlenderten, machte uns der Audioguide auf einige der kostbarsten Stücke der Sammlung aufmerksam – darunter chinesisches Porzellan aus der Ming-Dynastie, das schon im 17. Jahrhundert seinen Weg nach Burghley House fand, sowie ein Kabinettschränkchen, dessen herrliche Mosaike aus winzigen, farbigen Steinplättchen zusammengesetzt sind. Ein Geschenk, das der 5. Earl persönlich von Cosimo de’ Medici in Florenz erhalten hatte.

Bei vielen Objekten gab es Interessantes zu entdecken:




Das Highlight der Tour waren die sogenannten “George Rooms” im Südflügel des Hauses, einst für royale Gäste reserviert. Das Bett im zweiten Raum wurde eigens für den dreitägigen Besuch von Queen Victoria und Prinz Albert angefertigt – wofür sich der Aufwand hoffentlich gelohnt hat.


Der „Heaven Room” ist das Meisterwerk Antonio Verrios aus dem 17. Jahrhundert: Decke und Wände sind vollständig bemalt und zeigen einen mythologischen Götterhimmel in voller Pracht. In der Mitte des Raums steht ein über 100 Kilogramm schwerer Weinkühler aus massivem Silber. Bei der großen Zahl an Gästen muss der Bedarf an gekühlten Getränken tatsächlich beträchtlich gewesen sein.

Auch die Decke des anschließenden Treppenhauses stammt vollständig aus Verrios Pinsel und zeigt im unteren Bereich den Eingang zur Hölle als das aufgerissene Maul einer Katze – ein durchaus einprägsames Bild.


Nach so viel überbordendem Prunk, bei dem man kaum wusste, wo das Auge zuerst hinschauen sollte, zog es uns in den Garten des Hauses, der im 18. Jahrhundert als weitläufiger Landschaftspark angelegt wurde. Kinder können sich im “Garden of Surprises” auf Entdeckungstour begeben, wir versuchten uns daran, die fleißigen Hummeln bei ihrer Arbeit am Lavendel zu fotografieren – eine Aufgabe, die sich als überraschend knifflig erwies.

Nach einem kurzen Rundgang durch den restlichen Park mit seinen geschickt in die Landschaft eingebetteten Skulpturen machten wir uns auf den Rückweg zum Auto, um unsere Fahrt Richtung Lincoln fortzusetzen.

Am Parkplatz angekommen, fiel Jochen auf, dass ihm ein Teil seines neu erworbenen Smartphone-Zubehörs fehlte. Er ging also noch einmal zurück an die Stelle, an der er es vermutlich zuletzt abgelegt hatte, fand es dort jedoch nicht. Auch weitere Parkdurchsuchungen brachten keinen Erfolg, seine letzte Hoffnung war das Kassenhäuschen am Eingang. Und tatsächlich: Ein Mitbesucher hatte es gefunden und dort abgegeben. Ein Hoch auf die Ehrlichkeit der Briten!
Beim Verlassen des Parks mit dem Auto sahen wir noch einmal die “Rasenmäher” des Anwesens: Im Gegensatz zu anderen Grünflächen setzt man in Burghley House auf Rehe.
Von Burghley House fuhren wir ins nahe gelegene Stamford, eine Stadt, die vor rund 200 Jahren vollständig im klassizistischen Stil aus honigfarbenem Sandstein errichtet wurde. Nach einem Snack in der kleinen Einkaufsstraße und einem Bummel durch die Innenstadt setzten wir unsere Reise nach Norden fort.

Spannend wurde die Weiterfahrt, als uns Google Maps von einer zweispurigen Straße zum Abbiegen aufforderte – dafür mussten wir zwei stark befahrene Fahrstreifen mit Gegenverkehr queren. Nach längerem Warten tat sich schließlich eine ausreichend große Lücke auf, durch die wir gefahrlos auf eine kleine Seitenstraße gelangten und unseren Weg fortsetzen konnten.
Durch eine hügelige, von Feldern und Wäldern durchzogene Landschaft erreichten wir schließlich Lincoln, wo uns die imposante Kathedrale schon von ihrem Hügel aus erwartete – morgen werden wir uns diese von Näherem anschauen. Nach Einchecken im Hotel und einem kurzen Spaziergang entlang des von Bars, Restaurants und einem Kino gesäumten Ufers des kleinen Hafenbeckens namens Brayford Pool stand an diesem Abend nichts mehr auf dem Programm.

Schon die Römer nutzten ihn als Hafen
Nach dem Abendessen im Riverside Thai Restaurant fielen wir müde und zufrieden ins Bett und freuten uns bereits auf unsere morgige Erkundungstour durch die Stadt.














