York hatte am heutigen Tag noch etwas anderes zu bieten als mittelalterliche Gassen und historische Gemäuer: Die York Pride fand statt – ein bunte, ausgelassene Parade zog durch die Innenstadt, um auf die Rechte von Schwulen und Lesben aufmerksam zu machen. Auch wenn wir den Marsch selbst nicht sahen, weil wir zu dem Zeitpunkt die Kathedrale besichtigt hatten, so war die Innenstadt vielerorts mit vielen bunten Regenbogenfahnen geschmückt.

Unser erstes großes Ziel war das York Minster – die Kathedrale der Stadt und eine der eindrucksvollsten gotischen Kirchen Nordeuropas. Zwanzig Pfund Eintritt pro Person sind ordentlich, es gab jedoch kostenlose Führungen durch das Innere, was die Sache gleich versöhnlicher macht. Und es gab viel zu sehen.

Die Chorschranke empfängt die Besucher mit einer beeindruckenden Galerie von 15 lebensgroßen Steinstatuen englischer Könige – ein steinernes Who-is-who der britischen Geschichte. Die Reihe reicht chronologisch vom normannischen Eroberer Wilhelm I. bis zu Heinrich VI., während dessen Regierungszeit die Schranke im 15. Jahrhundert vollendet wurde.

Die Westfassade beherbergt eines der größten mittelalterlichen Buntglasfenster der Welt, das sogenannte „Heart of Yorkshire“, dessen Farben auch nach Jahrhunderten noch leuchten als wären sie gestern eingesetzt worden.

Die Hälfte mittelalterlicher Glaskunst in England findet sich in York Minster

Die modernen Figuren sollen daran erinnern, dass man den alten die Köpfe abgeschlagen hat.
Der prächtige Vierungsturm zwingt einmal mehr dazu, den Kopf weit in den Nacken zu legen – eine Haltung, die man auf dieser Reise schon gut geübt hatte.
Bei Renovierungsarbeiten wurden einige der Deckenabschlusssteine durch moderne Steine ersetzt, die nach Vorlagen von Kinderzeichnungen erstellt wurden: ein schöner Kontrast zum gotischen Ensemble ringsherum.



In der Krypta erwartete uns eine Ausstellung zur Legende des Heiligen William von York, mit Exponaten, die Licht auf die mittelalterliche Geschichte der Kathedrale werfen.

Der Kapitelsaal war einmal mehr ein Raum für sich: die Steinmetzarbeiten dort gehören zu den schönsten und originellsten, die wir auf der gesamten Reise gesehen hatten.









Hier ein paar weitere Eindrücke unseres Rundgangs:



Nach so vielen Eindrücken war eine kleine Stärkung im Bennett’s Cafe mehr als verdient. Danach trennten sich unsere Wege: Alex zog es in eine Sonderausstellung zu japanischer Druckkunst der York Art Gallery, während Jochen im Jorvik Viking Centre der Geschichte der Wikinger in York auf den Grund ging – denn York, das alte Jorvík, war einst ein bedeutendes Zentrum der nordischen Welt, was man sich bei all dem englischen Flair kaum vorstellen kann. Auf dem Weg dorthin nutzte er ein Stück der alten begehbaren Stadtmauer mit herrlichen Ausblicken.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es in ein aufwendig dekoriertes Stadthaus verwandelt
Im Jorvik Wikinger Center wird der Besucher in die Zeit der Wikinger entführt. Die Wikinger eroberten die Stadt 866. Unter dem Namen Jórvík wurde York zur florierenden Hauptstadt eines mächtigen skandinavischen Königreichs, bis es 954 endgültig in das angelsächsische Königreich England eingegliedert wurde. Auf einem kleinen Wagen erlebt man eine Zeitreise durch eine Wikingersiedlung, die so ausgesehen haben könnte wie jene, deren Überreste man an gleicher Stelle bei Bauarbeiten fand.
Im kleinen angeschlossenen Museum wurden die Funde präsentiert, die man hier bei Ausgrabungen entdeckte.




In der York Art Gallery präsentierte eine große Ausstellung über 300 Jahre japanische Druckgeschichte vom 17. bis 21. Jahrhundert und zeigt über 100 ikonische Werke von weltbekannten Künstlern wie Katsushika Hokusai, Utagawa Hiroshige und Kitagawa Utamaro.





Zum Wiedersehen trafen wir uns im Biergarten des Fat Badger, von wo aus die Türme des Minsters die perfekte Kulisse für ein wohlverdientes kühles Getränk bildeten.
Das Abendessen folgte im thailändischen Restaurant Aroy Dee – wobei Jochens Wahl ordentlich scharf geriet und ihn trotz der angenehmen Außentemperaturen ins Schwitzen brachte.

Knoblauch, Möhren, Basilikum – auf der Speisekarte nur mit einer Chilischote versehen, hätte man auch mehr geben können


Den Abend ließen wir auf der Terrasse des Hotels ausklingen. Jochen verfolgte die Verlängerung und das Elfmeterschießen des Champions-League-Finales zwischen Arsenal und Paris Saint-Germain mit der gebotenen Spannung bis zum Ende. Letztendlich war Paris Saint Germain die glücklichere Mannschaft und verteidigte den im letzten Jahr gewonnen Titel erfolgreich.
Alex hatte in der Zwischenzeit das Internet leer gelesen und so neigte sich ein rundum gelungener Tag dem Ende entgegen.












