York (30.05.) – William of York, die Wikinger und Paris Saint Germain

York hatte am heutigen Tag noch etwas anderes zu bieten als mittelalterliche Gassen und historische Gemäuer: Die York Pride fand statt – ein bunte, ausgelassene Parade zog durch die Innenstadt, um auf die Rechte von Schwulen und Lesben aufmerksam zu machen. Auch wenn wir den Marsch selbst nicht sahen, weil wir zu dem Zeitpunkt die Kathedrale besichtigt hatten, so war die Innenstadt vielerorts mit vielen bunten Regenbogenfahnen geschmückt.

Ein Tag voller Musik, Farbe und Party als Zeichen der Liebe, Gleichheit und Gemeinschaft der LGBTQ-Szene

Unser erstes großes Ziel war das York Minster – die Kathedrale der Stadt und eine der eindrucksvollsten gotischen Kirchen Nordeuropas. Zwanzig Pfund Eintritt pro Person sind ordentlich, es gab jedoch kostenlose Führungen durch das Innere, was die Sache gleich versöhnlicher macht. Und es gab viel zu sehen.

York Minster – größte mittelalterliche Kirche in England und Sitz des Erzbischofs von York, der nach dem Erzbischof von Canterbury in der Church of England den zweithöchsten Rang inne hat

Die Chorschranke empfängt die Besucher mit einer beeindruckenden Galerie von 15 lebensgroßen Steinstatuen englischer Könige – ein steinernes Who-is-who der britischen Geschichte. Die Reihe reicht chronologisch vom normannischen Eroberer Wilhelm I. bis zu Heinrich VI., während dessen Regierungszeit die Schranke im 15. Jahrhundert vollendet wurde.

Blickrichtung Chorschranke
Mode- und Frisurtrends änderten sich auch im Laufe der Jahrhunderte, wie hier an den Figuren der Könige zu erkennen

Die Westfassade beherbergt eines der größten mittelalterlichen Buntglasfenster der Welt, das sogenannte „Heart of Yorkshire“, dessen Farben auch nach Jahrhunderten noch leuchten als wären sie gestern eingesetzt worden.

Im oberen Bereich des Fensters der Westfassade ist das Herz von Yorkshire zu sehen
Die Hälfte mittelalterlicher Glaskunst in England findet sich in York Minster
In den Nischen der Westfassade standen früher einmal Figuren, die nicht mehr erhalten sind.
Die modernen Figuren sollen daran erinnern, dass man den alten die Köpfe abgeschlagen hat.

Der prächtige Vierungsturm zwingt einmal mehr dazu, den Kopf weit in den Nacken zu legen – eine Haltung, die man auf dieser Reise schon gut geübt hatte.

Spätgotisches Netzrippengewölbe im Vierungsturm von Anfang des 15. Jahrhunderts

Bei Renovierungsarbeiten wurden einige der Deckenabschlusssteine durch moderne Steine ersetzt, die nach Vorlagen von Kinderzeichnungen erstellt wurden: ein schöner Kontrast zum gotischen Ensemble ringsherum.

In der Krypta erwartete uns eine Ausstellung zur Legende des Heiligen William von York, mit Exponaten, die Licht auf die mittelalterliche Geschichte der Kathedrale werfen.

Sarkophag mit den sterblichen Überresten von William von York
Im St. William Fenster sind Wunder des Heiligen dargestellt: links trifft ein Stein den Kopf eines Mannes, der jedoch von Gottes Hand geschützt wird, rechts erkennt man, dass der Mann unverletzt ist

Der Kapitelsaal war einmal mehr ein Raum für sich: die Steinmetzarbeiten dort gehören zu den schönsten und originellsten, die wir auf der gesamten Reise gesehen hatten.

Ein frühes Wunderwerk der Ingenieurkunst des späten 13. Jahrhunderts – das acheckige Kapitelhaus ohne zentrale Säule
Das Kapitelhaus wird durch ein ausgeklügeltes Dachstuhl-System gehalten

Hier ein paar weitere Eindrücke unseres Rundgangs:

Das historische Chorgestühl wurde am 1. Februar 1829 bei einem Brand vollständig zerstört, die originalgetreuen Restaurierungen dauerte von 1832 bis 1841
Ein Begräbnisort in der Kirche war reichen Einwohnern von York vorbehalten, in der Hoffnung, näher bei Gott zu sein
Hauptaltar des York Minster
Das große Ostfenster mit Darstellungen aus dem alten Testament hat eine Fläche so groß wie ein Tennisplatz
Details der mittelalterlichen Glaskunst

Nach so vielen Eindrücken war eine kleine Stärkung im Bennett’s Cafe mehr als verdient. Danach trennten sich unsere Wege: Alex zog es in eine Sonderausstellung zu japanischer Druckkunst der York Art Gallery, während Jochen im Jorvik Viking Centre der Geschichte der Wikinger in York auf den Grund ging – denn York, das alte Jorvík, war einst ein bedeutendes Zentrum der nordischen Welt, was man sich bei all dem englischen Flair kaum vorstellen kann. Auf dem Weg dorthin nutzte er ein Stück der alten begehbaren Stadtmauer mit herrlichen Ausblicken.

Leider waren die Pforten des “Treasurer’s House”, dem Haus des Schatzmeister des Minster, bereits verschlossen, als wir im Anschluss nach einem netten Platz im Freien suchten
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es in ein aufwendig dekoriertes Stadthaus verwandelt

Im Jorvik Wikinger Center wird der Besucher in die Zeit der Wikinger entführt. Die Wikinger eroberten die Stadt 866. Unter dem Namen Jórvík wurde York zur florierenden Hauptstadt eines mächtigen skandinavischen Königreichs, bis es 954 endgültig in das angelsächsische Königreich England eingegliedert wurde. Auf einem kleinen Wagen erlebt man eine Zeitreise durch eine Wikingersiedlung, die so ausgesehen haben könnte wie jene, deren Überreste man an gleicher Stelle bei Bauarbeiten fand.

Ein Bewohner Jorvíks vor einer strohgedeckten Hütte bei der Schuhproduktion

Im kleinen angeschlossenen Museum wurden die Funde präsentiert, die man hier bei Ausgrabungen entdeckte.

In der York Art Gallery präsentierte eine große Ausstellung über 300 Jahre japanische Druckgeschichte vom 17. bis 21. Jahrhundert und zeigt über 100 ikonische Werke von weltbekannten Künstlern wie Katsushika Hokusai, Utagawa Hiroshige und Kitagawa Utamaro.

York Art Gallery
Sonderausstellung “Making Waves”

Zum Wiedersehen trafen wir uns im Biergarten des Fat Badger, von wo aus die Türme des Minsters die perfekte Kulisse für ein wohlverdientes kühles Getränk bildeten.

Pub mit Minsterblick
Da schmecken Ale und Cider gleich doppelt gut

Das Abendessen folgte im thailändischen Restaurant Aroy Dee – wobei Jochens Wahl ordentlich scharf geriet und ihn trotz der angenehmen Außentemperaturen ins Schwitzen brachte.

Den Abend ließen wir auf der Terrasse des Hotels ausklingen. Jochen verfolgte die Verlängerung und das Elfmeterschießen des Champions-League-Finales zwischen Arsenal und Paris Saint-Germain mit der gebotenen Spannung bis zum Ende. Letztendlich war Paris Saint Germain die glücklichere Mannschaft und verteidigte den im letzten Jahr gewonnen Titel erfolgreich.

Hier lässt es sich aushalten
Cheers!

Alex hatte in der Zwischenzeit das Internet leer gelesen und so neigte sich ein rundum gelungener Tag dem Ende entgegen.

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