Scarborough (31.05.) – Putzige Vögel und blutrünstige Vampire

Vor dem angekündigten Wetterumschwung mit unbeständigem und regnerischem Wetter wollten wir den Tag im Freien an der Ostküste Yorkshires zur Vogelbeobachtung nutzen. Beim Vogelschutzgebiet Bempton Cliffs mit steil abfallender Felsküste bot sich für uns die Möglichkeit, Meeresvögel beim Brüten zu beobachten. Am heutigen Sonntag war bereits um halb elf auf dem Parkplatz vor dem Besucherzentrum so viel los, dass wir unseren Wagen auf dem Ausweichparkplatz auf einer Wiese abstellen mussten. Die Royal Society for the Protection of Birds (kurz RSPB) betreibt hier ein Besucherzentrum mit Café und Souvenirshop und informiert über die Vögel, die es an Yorkshires Ostküste zu sehen gibt. Jochen nutzte die Gelegenheit für die Dauer unseres Aufenthalts ein Fernglas auszuleihen. Im Außenbereich, wo wir uns für ein Stück Kuchen kurz niedergelassen hatten, bekamen wir zum ersten Mal zu spüren, dass wir vielleicht die falsche Fotoausrüstung dabei hatten.

Das kleine Besucherzentrum ist unser erster Anlaufpunkt bei den Bempton Cliffs

Nach Entrichtung des Eintrittspreises von 8 Pfund/Person war der Weg bis zur Küste nicht weit. An der Abbruchkante hat man verschiedene Aussichtsplattformen errichtet, Ornithologen und Birder hielten ihre Spektive oder teilweise auch riesigen Teleobjektive in Richtung Brutkolonie der Vögel.

Eine steil abfallende Felsküste und nur aus der Luft zugängliche Nistplätze sind die Voraussetzung für die Brutkolonien der Seevögel

Die größten mit eine Flügelspannweite von bis zu 1,80m sind auch gleichzeitig die größten in Großbritannien lebenden Seevögel: Basstölpel mit der auffällig gelben Färbung am Hinterkopf. Während diese wie auch Trottellumme, Tordalk und Dreizehenmöwe in einer riesigen Anzahl anzutreffen war, gestalte sich die Suche nach den Stars der Seevögel deutlich schwieriger.

Basstölpel – sowohl im Flug als auch an Land schön anzuschauen
Viel Komfort haben die Vögel auf ihren Nistplätzen nicht, aber es geht ja auch darum, die Eier vor Fressfeinden zu schätzen
Trottellummen suchen sich einen Platz im unwegsamen Gelände
Die wenigen Plätze müssen sich die unterschiedlichen Arten von Seevögel noch aufteilen

Der Grund, hierher zu kommen und die Fotoausrüstung mitzubringen, ist für die meisten Besucher jedoch der kleinste unter den hier brütenden Seevögel, der Papageientaucher. Ein erstes Exemplar konnten wir nur durch das Spektiv eines Mitgliedes des RSPB, der bereitwillig über die Vögel plauderte, entdecken: Da der Vogel in einer dunklen Höhle saß, hätten wir ihn mit bloßem Auge nie gefunden.

Nächste Sichtung: Da sitzt einer der Papageientaucher und wartet nur darauf, dass wir ihn finden

Bis zur letzten Beobachtungsplattform Jubilee Corner spazierten wir in westlicher Richtung lediglich einen knappen Kilometer entlang eines kleinen Küstenpfads. Immer wieder boten sich wunderschöne Perspektiven auf die Vögel, die raue Küste und die Fotografen mit ihren Riesenobjektiven. Irgendwo mittendrin zeigte uns ein netter Fotograf den Sitzplatz eines weiteren Papageientauchers, gerade noch für Jochens Smartphone inkl. 2,3facher Teleerweiterung zu fotografieren.

In die entgegengesetzte Richtung liefen wir auch wieder nur ein paar hundert Meter bis zum Aussichtspunkt Staple Newk, wo eine große Anzahl von Basstölpeln auf den Felsen brüteten. Die Vögel greifen beim Nistbau auf Reste von Fischernetzen zurück, so dass der gesamte Felsen mit Schnüren von Fischereibooten übersät ist. Die Vögel haben wohl entdeckt, dass dies das beste und langlebigste Baumaterial für ihren Nachwuchs ist.

Die Punkte auf den Felsen sind ebenso Teil der Basstölpelkolonie wie die in der Luft kreisenden Vögel
Reste alter Fischernetze als Nistmaterial
Start und Landeanflug sind bei den Basstölpeln deutlich weniger elegant als ihr Flug

Dort entdeckten wir dann auch ohne fremde Unterstützung zwei auf den Felsen sitzende Papageientaucher, die dort sicher nur kurz zur Rast saßen, denn zur Brut bauen sie sich eine Höhle in die grasbewachsenen Klippen der Küsten.

Sieht fast aus, als ob jemand einen kleinen Stoff-Papageientaucher in die Kolonie der Basstölpel gestellt hätte
Noch eine Ladung Fische im Maul und dann wäre das Bild perfekt
Sie hat sicherlich deutlich bessere Fotos geschossen, aber für die Ausrüstung hätte ich beim Einchecken meiner Koffer am Flughafen einen Aufpreis zahlen müssen

Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg zum Auto mit vielen schönen Eindrücken und dem Geschrei der Brutkolonie in den Ohren.

Eine schöne Erinnerung – sofern man auch einen Papageientaucher gesehen hat

Etwas mehr als eine Stunde Fahrtzeit benötigten wir bis zum kleinen Küstenstädtchen Whitby an der Mündung des River Esk, der die Stadt in zwei Teile aufteilt. Auf der über eine Brücke erreichbaren gegenüberliegenden Flussseite sahen wir bereits hoch oben die kleine St. Mary’s Church und dahinter die Ruine von Whitby Abbey.

Links oben sieht man schon die Ruinen von Whitby Abbey und St. Mary’s Church

Diese Kulisse diente dem irischen Schriftsteller Bram Stoker als Inspiration für seinen Roman Dracula. Er residierte hier 1890 und veröffentlichte im Jahr 1897 seinen Roman, in dem die Hauptfigur via Schiff in Whitby anlandet. Der Roman beschreibt Whitby so exakt, dass man ihn fast als Reiseführer verwenden könnte. Vielleicht eine schöne Idee, das Buch bei unserer Rückkehr zu lesen.

Genau wie in seinem Roman Graf Dracula musste auch Stoker die 199 Stufen von Flussufer bis hinauf zur St. Marys Church steigen – wir taten es ihm heute gleich.

Mitgezählt haben wir bei den 199 Stufen nicht, aber wir glauben einfach mal der Beschreibung am Fuß der Treppe

Leider ist die Kirche seit einiger Zeit geschlossen, die windschiefen Grabsteine verleihen dem Ort jedoch auch so eine schöne Kulisse. Für einen Besuch der Ruine von Whiby Abbey war es für heute zu spät, so dass wir die Reste der Abtei nur über die hohe Steinmauer fotografieren konnten.

Am späten Nachmittag war es auf dem Friedhof von St. Mary’s nicht so gruselig, aber das kann sich ja mit Einbruch der Dunkelheit ändern
Abteien zu besichtigen ist in England immer ein Trauerspiel – Grund ist die Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII. und deren anschließender Verfall

Wieder am Hafen angekommen schauten wir erst einigen Kindern beim Krabbenfischen zu (und hoffen, dass sie die Tiere anschließend wie vorgesehen wieder ins Meer bugsiert haben), bevor wir das Fischrestaurant The Magpie Café ansteuerten, das laut Reiseführer für seine Fish & Chips berühmt ist.

Idylle pur am Hafen von Whitby – auf der Straße hinter uns laden Restaurants, Cafés und Bars Besucher zum Verweilen ein

Um zumindest noch etwas gesundes und nicht nur frittierten Fisch mit frittierten Kartoffeln zu essen, bestellten wir einen Salat und ließen es uns schmecken – Alex hatte eine “kleine”, Jochen eine “mittlere” Portion bestellt – zum Glück keine “große”.

Wir waren mehr als satt, als wir die Stufen zu unserem Parkplatz hinauf stiegen. Kurzen Halt machten wir bei der Statue von Captain James Cook, der hier zur Marineschule ging und 1768 zu seiner ersten Entdeckungsreise startete.

Captain James Cook war unser ständiger Begleiter auf der Weltreise.
An vielen Orten in Ozeanien war er vor uns – und das mit einem Segelschiff

Letztes Ziel für uns heute war der nächste Übernachtungsort Scarborough: Der populärste Badeort im Norden Englands lockt die Besucher mit einem riesigen Sandstrand an, aber uns definitiv nicht zu einem Bad im Meer.

Blick auf Scarborough und den riesigen Sandstrand
Im Licht der Abendsonne thront Scarborough Castle hoch oben über der Stadt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert