Toulouse 28./29.08. – Sommer, Sonne, Urlaub

Schon im letzten Jahr hatten wir Urlaub in Südfrankreich geplant, diesen allerdings aufgrund hoher Corona-Inzidenzwerte gestrichen und stattdessen zwei schöne Wochen im Weserbergland und südlich der Lüneburger Heide verbracht. Nach erfolgreicher Impfung waren wir uns in diesem Jahr sicher, den Urlaub nachholen zu können. Die neuerliche Corona-Welle, die Frankreich Anfang August heimsuchte und dazu führte, dass Südfrankreich vom Auswärtigen Amt als Hochinzidenzgebiet eingestuft wurde, ließ uns lange hadern.

Letztendlich gab die Aussicht auf Sonnenschein und warme Temperaturen den Ausschlag. Allerdings speckten wir unseren Reiseplan ab und buchten anstelle von mehreren Hotels einen längeren Aufenthalt in einem Ferienhaus.

Lange nicht mehr gesehen – die Abflughalle im Flughafen Frankfurt
Unser Flieger steht endlich bereit
Landeanflug auf Toulouse

Start des Urlaubs war in Toulouse, wobei uns der Abend der Anreise und der folgende Tag genügend Möglichkeiten bot, die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Das erste Hindernis stellte die Tiefgarage des Hotels dar: Ein Fiat 500 X, die SUV-Variante des kleinen Flitzers, ist definitiv nichts für schmale und verwinkelte Altstadtgaragen. Ohne Schäden am Auto (und der Tiefgarage) war der erste Stopp nach dem Einchecken im zentral gelegenen Mercure Toulouse Centre Wilson Capitole Hotel in der Bar Le Cardinal für einen kleinen Snack.

Wie man es überall aus Frankreich kennt – Stühle und Tische auf den Trottoirs oder wie hier mitten auf der Straße

Im Gegensatz zu Deutschland muss man vor dem Betreten des Restaurants seinen Impfnachweis vorzeigen – am besten mit der App TousAntiCovid – und kann nach dem Scan des QR-Codes durch das Personal am Tisch Platz nehmen. Nach einem kurzen Spaziergang zum abendlichen beleuchteten und mit Bars und Restaurants gesäumten Rathausplatz fielen wir müde und zufrieden in die Hotelbetten.

Cafes am Rathausplatz sehen schon mal einladend aus – bedarf morgen einer weiteren ausgiebigen Besichtigung

Start war am nächsten Tag wieder am Rathausplatz mit einem Bummel unterhalb der Arkaden entlang, die von dem französischen Maler Raymond Moretti mit Bildern aus der Geschichte der Stadt gestaltet wurden.

Die Tische rund um den Platz sind schon wieder gut besucht
Die Vorbereitungen für das Mittagessen laufen bereits

Deutlich großflächiger waren die Gemälde im Kapitol, dem Rathaus der Stadt. Für die Öffentlichkeit sind die Räume im ersten Stock geöffnet. Über eine Prunktreppe erreicht der Besucher flankiert von Abbildungen eines Sängerwettstreits prächtige Empfangsräume. Im “Salle des Illustres” zeigen Bilder die Geschichte der Stadt und Büsten erinnern an Personen, die die Stadt geprägt haben. Der Saal wird heute als eindrucksvoller Rahmen für standesamtliche Hochzeiten genutzt.

Prunkvoller Treppenaufgang zu noch prächtigeren Prunkräumen
Angemessener Rahmen für eine standesamtliche Hochzeit

Vom Rathausplatz Richtung Süden erreicht man durch schmale Altstadtgassen die Kathedrale Saint Etienne, die durch einen Mix aus romanischen und gotischen Stilelementen geprägt ist. Im gotischen Chor aus dem 13. Jahrhundert steht der riesige barocke Altar aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit der Darstellung der Steinigung des Heiligen Stephanus (eine ähnliche Darstellung hatten wir vor kurzem in Dom zu Passau gesehen) und ein aufwändig geschnitztes hölzernes Chorgestühl, an dem allerlei Details zu entdecken waren.

Von der Kirche bis zum Ufer der Garonne war es nur ein kurzer Fußweg. Die Entscheidung zur Besichtigung des Musée des Augustins (Gemälde und Skulpturen vom frühen Mittelalter bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts, darunter eine Sammlung romanischer Kapitelle und gotischer Skulpturen) und der Bemberg Stiftung im Hotel d’Assézat ( abendländische Kunst vom ausgehenden Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert wird in historischen Salons präsentiert und ist umgeben von Mobiliar der Epoche) wurde uns abgenommen, da beide Museen wegen Renovierung geschlossen hatten. Aber auch so boten sich beim Spaziergang durch die Altstadt ausreichend Fotomotive.

Die Pont Neuf aus dem Jahr 1632 ist die älteste noch erhaltene Flussbrücke über die Garonne von Toulouse und etwa 220 Meter lang. Der Fluss, der in den spanischen Pyrenäen entspringt mündet schließlich bei Bordeaux ins Mittelmeer.

Von der Brücke sahen wir einen kleinen Vergnügungspark mit Riesenrad und Café, ein perfekter Ort für einen kurzen Stopp, nur dass Jochen Riesenräder nicht mit Vergnügen verbindet. Aber der Ausblick über die Dächer der Stadt war dann trotz Höhenangst zu verlockend und natürlich lohnten sich die investierten 5 Euro pro Person.

Perfekter Ort für eine kurze Pause

Über die Pont St. Pierre ging es wieder zurück auf das rechte Flussufer zum Jakobinerkonvent des Dominikanerordens, in dem sich die sterblichen Überreste des Dominikaners Thomas von Aquin bestattet sind.

Beim Betreten der Kirche beeindruckt das 22m hohe Kirchengewölbe mit den schlanken Palmettenpfeilern, von denen sich Kreuzrippen wie ein Palmendach über das Kirchenschiff ausbreiten.

Für die Besichtigung des Kreuzgangs vom Anfang des 14. Jahrhunderts und der Antoniuskapelle, in der Malereien von Engeln mit unterschiedlichen Musikinstrumenten und Szenen aus dem Leben des Heiligen Antonius zu bewundern sind bezahlten wir gerne 5 Euro.

Die Möglichkeit, einen Café im Kreuzgang des Klosters zu uns zu nehmen, ließen wir uns im Anschluss an den Rundgang nicht entgehen. Wo hat man schon mal die Gelegenheit in einer solch entspannten Atmosphäre ein Heißgetränk zu sich zu nehmen?

Nochmal ein Stück weiter im Norden der Stadt lag der letzte Ort unserer heutigen Besichtigungstour – die romanische Basilika St. Sernin, die auf dem Grab des Heiligen Saturninus erbaut wurde, der als Bischof von Toulouse im Jahr 250 den Märtyrertod starb. Die Kirche liegt auf dem Pilgerweg von Arles nach Santiago de Compostela und viele Heilige haben hier in prachtvoll geschmiedeten Reliquienschreinen ihre letzte Ruhestädte gefunden. Die Kirche mit dem schmalen romanischen Langhaus wurde mit einem Chorumgang versehen, so dass die Pilger die Gräber der Heiligen besuchen konnten, ohne die Messe im Kirchenschiff zu stören.

Nach so vielen Eindrücken (und wieder einmal vielen Kirchen) stand uns der Sinn nach Abendessen. Bereits am Vormittag hatten wir uns am Rathausplatz dazu das italienische Restaurant Bellini ausgesucht. Wir waren die ersten Gäste – die Franzosen im Süden des Landes haben sich den Uhrzeiten des nahen Spaniens angepasst und gehen deutlich später Essen – und bekamen ordentlich schmeckende Pizzen serviert.

Viele Einwohner der Stadt saßen jedoch zuhause und hatten wohl keine Lust, selbst zu kochen: Wir mussten permanent aufpassen, nicht von einem der Fahrradkuriere der Firmen deliveroo, uber eats oder just eat über den Haufen gefahren zu werden, die per Lieferservice das Abendessen nach Hause brachten.

Im Anschluss spazierten wir noch einmal durch die Altstadtgassen zum Ufer der Garonne – Jochen konnte beim Blick auf das Riesenrad nochmal das Erlebnis des heutigen Tages Revue passieren lassen – und genossen den lauen Sommerabend mit vielen anderen Einheimischen.

Auch im Dunkeln ein Hingucker

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