Unser dritter Tag in London startete wie die beiden vorangegangenen – mit einem Besuch von unserer Lieblingskette Pret A Manger.

Anschließend war Canary Wharf mit seiner imposanten Hochhauskuisse unser erstes Ziel.
Unser Plan war, von dort aus bei einer entspannten Bootsfahrt die Sehenswürdigkeiten Londons vom Wasser aus zu genießen. Dumm nur, dass die Boote der Thames Clippers dafür nicht wirklich geeignet sind – offenbar waren wir nicht die Einzigen mit dieser Idee, denn am Bootsanleger herrschte großer Andrang und es gab ein ziemliches Gedränge beim Einsteigen. Trotz Nachfragen bestiegen wir zunächst das “falsche” Boot, das zwar in die richtige Richtung fuhr, aber nicht an unserem geplanten Ausstieg Millbank Pier halten sollte. Also stiegen wir am nächsten Stopp aus und warteten geduldig auf das nächste Boot.
Die Thames Clippers sind eher für den regulären Pendelverkehr und nicht für die Touristen konzipiert – die wenigen Plätze mit freiem Blick nach hinten waren längst besetzt. Vom erhofften entspannten Flussvergnügen blieb daher nicht viel übrig, aber ein paar schöne Eindrücke konnten wir immerhin mitnehmen.

Vom Millbank Pier war es nur ein kurzer Fußweg bis zur Tate Britain, die hauptsächlich Werke von britischen Künstlern zeigt – 500 Jahre britische Kunstgeschichte unter einem Dach. In Großbritannien geht man generell entspannter mit dem Museumsbesuch um, was sicher auch daran liegt, dass für die ständigen Sammlungen kein Eintritt erhoben wird. Alex’ Ziel war ein kleiner Ausschnitt der umfassenden Sammlung, die Werke der Präraffaeliten.
Die Präraffaeliten waren eine Gruppe von Malern, die sich im England des 19. Jahrhunderts zusammenschlossen. Entstanden 1848 sahen sie eine Rückkehr zur detailgetreuen Malerei als erforderlich an. Natur und ihre akribische Darstellung spielte bei den Präraffaeliten eine besondere Rolle. Neben John Everett Millais, der mit Ophelia das wohl bekannteste präraffaelitische Gemälde malte, gehörten auch William Holman Hunt und Dante Gabriel Rossetti zu den Mitgliedern der Gruppe.

Hätte Taylor Swift auch als Inspiration dienen können
Auch die wunderschönen Portraits von John Singer Sargent ließen wir uns nicht entgehen, im Musée d’Orsay hatten wir Anfang des Jahres dazu eine eigene Sonderausstellung gesehen. Doch warum wurden seine Werke hier überhaupt ausgestellt, schließlich war er US-Amerikaner? 1886 zog er von Paris nach London – es reicht wohl aus, dass viele Kunstwerke auf britischem Boden entstanden sind, um in die Sammlung der Tate Britain aufgenommen zu werden.


Darüber hinaus sind in der Tate auch Arbeiten von David Hockney sowie eine beeindruckende Anzahl an Gemälden von William Turner zu sehen, der als bedeutendster englischer Maler der Romantik gilt. Besonders überrascht haben uns Werke aus seinem Spätwerk, in dem er fast abstrakt versuchte, Stimmungen und Licht einzufangen – ganz so, wie es ihm später die Impressionisten gleichtun sollten.

Grenzt fast schon an abstrakte Malerei
Mit 42 Jahren bereiste Turner vom 21. bis 29. August 1817 das Mittelrheintal zwischen Rüdesheim und Koblenz; die dort entstandenen Gemälde begründeten die sogenannte Rheinromantik. Wer möchte, kann heute auf seinen Spuren durch diese Landschaft reisen – hier vielleicht eine kleine Inspiration für den nächsten Heimaturlaub.
Anschließend stand die Courtauld Gallery im Somerset House auf unserem Programm: Im Innenhof tobten Kinder zwischen den Fontänen eines Brunnens – bei 33 Grad im Schatten eine mehr als willkommene Erfrischung.
Im nördlichen Gebäudeflügel der weitläufigen Anlage herrschten ebenfalls angenehme Temperaturen – für uns wie zweifellos auch zum Wohlgefallen der ausgestellten Kunstwerke. Gegründet wurde das Courtauld Institut of Art 1932 vom Industriellen und Kunstmäzen Samuel Courtauld, dem Diplomaten Arthur Lee und dem Kunsthistoriker Sir Robert Witt.
Vor allem Gemälde des französischen Impressionismus und Postimpressionismus haben die Sammlung weltberühmt gemacht: Manet, Degas, Toulouse-Lautrec, Monet, Cézanne und van Gogh – das Who-is-who der Malerei vom ausgehenden 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert.







In einem weiteren Teil der Ausstellung waren zudem Kunstwerke des Barber Institute of Fine Arts aus Birmingham zu sehen, dessen Gebäude derzeit renoviert wird – eine glückliche Fügung, die es uns ermöglichte, einen Teil der dortigen Sammlung vorübergehend in London zu sehen.




Nicht nur Gemälde aus dem 19. und 20. Jahrhundert sondern auch aus früheren Zeiten waren zu bewundern. Das unten zu sehende Gemälde “Adam und Eva” von Lucas Cranach dem Älteren feiert in diesem Jahr seinen 500. Geburtstag.


Noch älter ist die sogenannte Courtauld Bag aus dem beginnenden 14. Jahrhundert: Das Stück stammt aus Mossul, einer Stadt, die es in den letzten Jahren nur durch den Krieg im Irak in die Schlagzeilen geschafft hat.
Nach so viel Kunst stand uns der Sinn nach etwas deutlich Weltlicherem: Für 18:45 Uhr hatten wir Eintrittskarten für die Aussichtsplattform des Shard gebucht, zuvor wollten wir in der Nähe zu Abend essen – mit dem thailändischen Restaurant Kin+Deum fanden den passenden Ort für unser leibliches Wohl.
Ob es sich lohnt, Fotos vom Abendessen zu machen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Unabhängig davon jedoch können wir das Restaurant getrost weiterempfehlen.



The Shard war nach seiner Fertigstellung im Jahr 2012 mit seinen 310 Metern für einige Monate das höchste Gebäude Europas – ein Titel, den heute der Lachta Center in Sankt Petersburg trägt. Im unteren Teil des schlanken Glastropfens befinden sich Büros, darüber Luxusrestaurants, ein Fünf-Sterne-Hotel und zehn Penthousewohnungen mit atemberaubendem Rundumblick.
Ganz oben, auf den Etagen 68 und 69 in 230 Metern Höhe, liegt die Aussichtsplattform – unser Ziel.
Das Fotografieren übernahm hier Alex, Jochen fühlte sich angesichts seiner Höhenangst und der bis zum Fußboden verglasten Fassade nicht ganz wohl in seiner Haut. Für bessere Fotos hätte es wohl nicht geschadet, die Scheiben vorher von außen zu putzen – für diese Tätigkeit wollten wir uns jedoch nicht freiwillig melden.
Nach einem Drink an der Bar machten wir uns schließlich auf den Weg nach unten und zurück ins Hotel.
Auf dem Nachhauseweg lief uns “Lukas Podolski” über den Weg – nicht der echte, sondern nur ein Fan des FC Arsenal mit einem Fußballtrikot des ehemaligen deutschen Nationalspielers. Dieser scheint in seiner Zeit hier zwischen 2012 und 2014 einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, wenn Fans am letzten Spieltag der englischen Premier League zur Feier der Meisterschaft ein Trikot von ihm anziehen.
Morgen früh heißt es Abschied nehmen von London – das nächste Etappenziel wartet: Cambridge.

















